Von den Zwanzigern bis heute

100 Jahre Frauengeschichte an einem Abend

Am Donnerstag, den 19. März 2026, luden der Musik- und Kulturverein Stadtoldendorf und die Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Eschershausen-Stadtoldendorf, Kerstin Wiest, zu einer Zeitreise in die Aula der Grundschule in Stadtoldendorf ein. Jutta Seiferts literarisch-musikalische Revue „Angebissen!“ war jedoch alles andere als eine brave Geschichtsstunde. Stattdessen wurde ein Panorama der letzten 100 Jahre Frauengeschichte entfaltet, das ebenso lebendig wie provokativ war.

Mit viel Humor und einer Stimme, die zwischen sanfter Ironie und beißender Satire wechselte, führte Seifert durch die Jahrzehnte. In den wilden Zwanzigern waren Frauen plötzlich sichtbar – tanzend, rauchend, vermeintlich frei. Doch diese Freiheit war nicht von Dauer. In den fünfziger Jahren zeigten sie sich wieder in „Korsetts“. Diesmal allerdings aufgrund gesellschaftlicher Erwartungen und trotz vermeintlicher Gleichberechtigung, die nun im Grundgesetz verankert war. Die Sechziger und Siebziger brachten die Rebellion, den offenen Kampf um Frauenrechte und ein Stück Befreiung von gesellschaftlichen Normen.

Doch Seifert blieb nicht in der Vergangenheit. Sie brachte die Themen der Frauengeschichte in die Gegenwart und zeigte, dass viele der damaligen Kämpfe noch immer relevant sind. Was den Abend jedoch besonders machte, war nicht die Reise durch die Jahrzehnte, sondern die unangenehmen Fragen, die Seifert stellte. Sie zeigte, wie Frauen sich selbst im Weg standen – und stehen. Wie sie sich in Rollen pressen ließen – und lassen – und wie sie trotzdem immer wieder aufstanden. Am Ende des Abends wurde klar: „Angebissen!“ war keine reine Unterhaltungsshow. Es war eine Hommage an die Frau.