Seit der Vernissage am 12. April 2026 zeigt der Musik- und Kulturverein Stadtoldendorf im Alten Rathaus in Stadtoldendorf eine Ausstellung, die sich mit ihrem Titel „Alles ohne KI!!!“ bewusst gegen einen aktuellen Trend stellt: Detlev Peipelmann aus Rühle und Marina Scheer aus Bad Pyrmont präsentieren Werke, die ausschließlich in klassischer Technik und von Hand, mit Pinsel, Bleistift oder Feder, entstanden sind. Wer die Ausstellung besucht, erlebt einen Gegenentwurf zur digitalen Beschleunigung und stolpert an jeder Wand über den einen Satz, den ein Besucher der Ausstellung spontan formuliert: „Diese Kunst zeigt alles, was die Künstliche Intelligenz nicht kann!“
Für Detlev Peipelmann ist dieser Anspruch Programm. Der gebürtige Berliner – dem man seine Herkunft auch nach rund 35 Jahren im Weserbergland noch deutlich anhört – ist gelernter Porzellanmaler und versteht sich als Vertreter der alten Schule. „Ich möchte mit meiner Kunst unter anderem einen Gegenpol zum wachsenden Einsatz von KI schaffen“, sagt er im Gespräch. Kunst, das sei für ihn Kopf und Handwerk. Handwerk wolle eben gelernt sein und fordert ständige Weiterbildung! Selbst bei seinen am Computer entstandenen Grafiken lege er Wert darauf, dass diese handgemacht blieben und Studien voraussetzen. „Insgesamt interessieren mich alle künstlerischen Techniken.“, erklärt Peipelmann. „Aktuell beschäftigt mich der Kubismus. Dort wird es zukünftig noch mehr von mir zu sehen geben.“
Auffällig ist, wie nachdenklich Peipelmann bei aller handwerklicher Klarheit wird: Werke mit Titeln wie „Internet“ oder „Diktatur“ spiegeln sein Nachsinnen über flächendeckendes Datensammeln, Überwachung, gezielte Kontrolle und Manipulation im Internet wider. „Wo hört Kontrolle auf und wo fängt Überwachung an? Und wo beginnt Manipulation mit KI-generierten Inhalten?“ Das sind Fragen, die Peipelmann sichtbar machen möchte. Wer genau hinschaut, entdeckt unter der gemalten Oberfläche viele dieser leisen Kommentare.

An der Seite von Detlev Peipelmann stellt Marina Scheer aus. Die gebürtige St. Petersburgerin lebt seit 1998 in Niedersachsen. Sie ist seit rund zwanzig Jahren Schülerin Peipelmanns und inzwischen längst eine eigenständige Künstlerin. Ihren Stil beschreibt sie mit einem Lachen: „Ich lasse Proportionen und Perspektiven weitestgehend außer Acht. Hauptsache bunt, expressionistisch und surrealistisch.“ Scheers Arbeiten sind farbstark, verspielt und selbstbewusst. Sie zeigen eindrücklich, dass aus jahrelangem Lernen eine eigene, unverkennbare Handschrift erwachsen kann. Bereits im Herbst 2023 war Scheer als eine von zehn Schülerinnen Peipelmanns in der Ausstellung „Kurskunst 23“ im Alten Rathaus in Stadtoldendorf zu sehen; dieses Mal steht sie jedoch als gleichberechtigte Künstlerin an seiner Seite.
Dass die Vernissage gut besucht war, schlägt sich bis in die Ausstellung durch: Mehrere Werke sind bereits verkauft worden. „Wir sind sehr zufrieden“, so Peipelmann und Scheer übereinstimmend. „Es waren viele interessierte Leute da und die musikalische Untermalung der Ausstellungseröffnung war klasse.“ Auch das Alte Rathaus als Ausstellungsort loben die beiden ausdrücklich. Die Räume seien optimal, und die Unterstützung durch den Musik- und Kulturverein habe sie sehr beeindruckt.
Und die Besucherinnen und Besucher? Sie teilen die Begeisterung. „Es gibt so viel zu sehen!“, entfährt es einer Besucherin. Ein weiterer Gast ist sichtlich angetan: „Spannende Bilder! Lebendig! Warum nicht auch mal ausbrechen?“ Genau darum geht es bei dieser Ausstellung im Alten Rathaus, um das Ausbrechen aus dem glatten, algorithmisch-generierten Bild und um die Rückkehr zur Handschrift eines Menschen.
Wer die Werke selbst sehen möchte, hat dazu noch bis zum 10. Mai 2026 Gelegenheit. Die Ausstellung ist jeweils sonnabends, sonn- und feiertags von 15:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.
Marina Scheer bringt die Einladung noch einmal auf den Punkt: „Wir freuen uns über jeden, der vorbeikommt.“ Und wer darüber hinaus Lust bekommt, selbst zum Pinsel zu greifen: Detlev Peipelmann gibt mittwochvormittags Kunstunterricht in Bodenwerder und freut sich über neue Interessentinnen und Interessenten.
Am Sonntag, den 10. Mai 2026, bildet die Finissage ab 15:00 Uhr den festlichen Abschluss der Ausstellung. Für das Rahmenprogramm sorgen dann der Vokalkreis des Musik- und Kulturvereins Stadtoldendorf und der Goldenbaumchor Holzminden mit dem Konzert „Achtmal Liebe in Wort und Musik“ von Dr. Jean Goldenbaum. Das Konzert wird vom Komponisten selbst geleitet. Bis dahin freuen wir uns jedoch auf Ihren Besuch der laufenden Ausstellung.

Stadtoldendorf, den 21.04.2026