Gitarrengenuss am Nachmittag

Konzert von Hein Brüggen mit Akustik- und Jazz-Gitarre

Unser Altes Rathaus war einmal wieder ein passender Rahmen für ein Konzert der besonderen Art. Vor ausverkauftem Haus begrüßte Niklas Kott, neu gewähltes Vorstandsmitglied des MKV, die Gäste und den Künstler Hein Brüggen. Dieser gab seinem Publikum einen ungewöhnlichen Einblick in die Musik, die ihn und sein Leben, sein künstlerisches Schaffen, entscheidend geprägt hat. Das Programm umfasste eine Vielzahl unterschiedlicher Epochen, Stile und Komponisten vom Barock bis in die Neuzeit. Gleichzeitig bot der Künstler mit seinen Kommentaren und Erläuterungen nicht nur eine persönliche Perspektive, sondern vermittelte auf äußerst einfühlsame Weise einen frischen Blick auf Musikgeschichte und Musikwissenschaft.

Hein Brüggen verstand es ausgezeichnet, die unterschiedlichen Stilepochen miteinander so zu verbinden, dass es den Zuhörerinnen und Zuhörern ganz selbstverständlich erschien, diese Werke in lockerer Folge miteinander kombiniert zu hören.

Das Konzert begann mit zwei Stücken von Johann Sebastian Bach, dessen Kompositionen für die Gitarre (zu der Zeit in Deutschland noch nicht bekannt) adaptiert wurden. Eine von Andrès Segovia bearbeitete Gavotte für das Clavichord leitete über zu einer modernen, von Hein Brüggen selbst erarbeiteten Version der irischen Freiheitshymne „Danny Boy“, entstanden in der Zeit der großen irischen Hungersnot um 1860. Danach folgte eine Trilogie brasilianisch, spanischer Musik von Carlos Jobim, Carlos Ruiz Zafon bis zu Francisco Tarrega.

Nach der dann der Einstieg in die 30 Jahre des vorigen Jahrhunderts, wobei der Künstler mit einem Rückgriff auf Johann Sebastian Bach startete, der festgestellt hat: „Musik, die keinen Bass hat, taugt nichts“. Wunderbar, wie es Hein Brüggen gelang, den Sound einer Big Band hervorzuzaubern. Auch das Thema Lateinamerika wurde mit einem Stück von Jobim, „Samba de Una Nota“, wieder aufgegriffen. „Misty“ des Jazzpianisten Errol Garner knüpfte die Verbindung zum „American Song Book“, gefolgt von einer Version des Titels „Nodja“ von Django Deluxe, einem Duo, das im Stil und in der Tradition von Django Reinhardt komponiert und spielt.

Genau wie beim oben erwähnten Big Band-Sound gelang es hier, die Fantasie des Publikums so weit anzuregen, dass diese die Begleitung und Perkussion selbst liefern konnte.

Zum Schluss zollte der Künstler noch seinem Instrument einen Tribut: „Wenn ich das nicht spiele, ist meine Gitarre traurig“, und erläuterte, dass er diese Gitarre bei dem Gitarrenbauer Antonio Marin Montero, einer kleinen aber berühmten Werkstatt in Granada unterhalb des weltbekannten maurischen Palasts hat bauen lassen, und das Stück „Recuerdos de la Alhambra“, „Erinnerungen an die Alhambra“, ebenfalls von Tàrrega, deshalb spielen müsse.

Nach begeistertem Applaus gab es noch „Spanische Impressionen“, eine Eigenkomposition, als Zugabe.

Die Begeisterung des Publikums klang noch lange nach und zeigte sich in vielen kleineren und größeren Gesprächen untereinander und mit dem Künstler.

Sabine Leupold-Schröder